Bildnerische Grundlagen

 

Ralf Werner formuliert seine künstlerische Position im Raum. Seine Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen dem konkreten, umbauten Raum und einer imaginierten Raumgestalt, die mit dem physischen Raum in Beziehung gesetzt wird. Dieser „Vorstellungsraum“ materialisiert sich in den unterschiedlichsten bildnerischen Techniken: Diese reichen von Fotografie und Projektion bis zu Zeichnung, Objekt und architektonischer Skulptur. Diese Raumskulpturen sind temporäre, ortsspezifische Eingriffe in bestehende Architekturen. Ralf Werner greift mit seiner Arbeit direkt auf die architektonische Gestalt zu: Einzelne Elemente einer gegebenen Architektur werden herausgelöst, kopiert und in veränderter Weise an ihren ursprünglichen räumlichen Kontext angeschlossen. Durch Rotationen, Verschiebungen, Spiegelungen und Dopplungen werden eigentlich unmögliche Seinszustände der Architektur wahrnehmbar: Das Reale wird in eine Vorstellung verrückt, und diese Raumvorstellung wird in Werners Raumskulpturen wieder zu einer materialisierten Tatsache.

 

Seit dem WS 2009/2010 betreut Ralf Werner gemeinsam mit Beate Mohr die Studienanfänger an der HBKsaar im Atelier für bildnerische Grundlagen. Studierende der Freien Kunst und des Designs durchlaufen hier ein gemeinsames einjähriges Grundlagenstudium und auch das weitere Studium an der HBKsaar beruht auf der interdisziplinären Verflechtung von gestalterischen und künstlerischen Ansätzen.

 

Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass es keinen qualitativen Unterschied beim Sehen, Wahrnehmen oder Denken gibt, ob man nun als Gestalter, oder aber als Künstler arbeitet. Beides mal greift man auf die gleichen bildnerischen Grundlagen zu, tut dies aber mit radikal unterschiedlichen Intentionen: Design gestaltet gezielt und absichtsvoll unserern Alltag, während Kunst, ohne Festlegung durch Funktionen, die Seinsbedingungen des Schaffenden reflektiert.

 

Die Fähig­keit zum künstlerischen Selbstauftrag verstehen wir als Voraussetzung für künstlerische Denk- und Arbeitsprozesse. Dies ist die Fähigkeit, aus der praktischen Arbeit heraus künstlerische Zusammenhänge zu reflektieren, in Entwicklungsprozessen zu denken und im Formfindungsprozess zu steuern.

Für die Lehre in den Bildnerischen Grundlagen bedeutet dies: Sehen, Wahrnehmen und Umsetzen bewußt zu erfahren, zu analysieren und zu variieren. Im Prozess des ›Machens‹ und ›Experimentierens‹ die Zusammenhänge von Material, Form, Körper, Farbe und Medien zu erproben, zu realisieren und zu reflektieren.

Die Grundlagen bieten Spielraum für Experimente, Entdeckungen und Überraschungen. Über die Reflexion, die Absicht und Kommunikation entstehen Diskussionen und fachspezifische Fragestellungen. Das Plenum, Colloqium und Einzelgespräche sind Ort für diese Fragestellungen und Auseinandersetzungen.

 

Das Grundlagenatelier verstehen wir als Ort, indem die Studierenden die eigene künstlerische Haltung und Arbeitsweise entwickeln und grundlegende Erfahrungen sammlen können.

Eine der Grundlegensten ist sicher der Erfahrungsraum und Prozess zwischen Absicht und Vorstellung und die Übertragung in die künstlerische Praxis (unabhängig einer künstlerischen Disziplin oder eines Mediums).

Das heißt: Das Denken verändert das Tun und das Tun wirkt verändernd

auf das Denken zurück.

 

Biografie

geboren: am 12.03.1969 in Göppingen (Baden-Württemberg)

 

Studium

  • 1990-1992 Studium der Kulturwissenschaften u. der Philosophie an der Universität Bremen
  • 1992-1993 Orientierungsbereich an der Kunstakademie Düsseldorf
  • 1993-1999 Studium der Freien Kunst,Schwerpunkt Bildhauerei bei Prof. Magdalena Jetelovà
  • 1997 Meisterschüler von Prof. Magdalena Jetelovà
  • 1999 Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf im Studiengang Freie Kunst
  • arbeitet seit 1999 als freischaffender Künstler

 

Lehrtätigkeiten

  • 1994–1998 Tutor und künstlerischer Assistent von Prof. Magdalena Jetelovà (und andere)
  • 1996–2000 Honorarkraft im Kultur Bahnhof Eller ( Sekretariat und Ausstellungstechnik)
  • SS 2002 Gastseminar über Raum und Wahrnehmung an der Universität Stuttgart, FB Architektur und Stadtplanung
  • 2003–2008 Honorarkraft Im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (Leiter der Ausstellungstechnik)
  • 2008–2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bildnerischhe Gestaltung, RWTH Aachen, Fachbereich Architektur
  • seit 2009 Professor für Bildnerische Grundlagen an der HBKsaar

 

Stipendien, Preise

  • 1995 Reisestipendium der Kunstakademie Düsseldorf
  • 1996–1999 Studienstiftung des deutschen Volkes
  • 1997 Residenz Cité Internationale des Arts, Paris
  • 1999 Kunststiftung Baden-Württemberg
  • 2000 Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW auf Schloß Ringenberg
  • 2001 Residenz Deutsches Studienzentrum Venedig
    Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf
  • 2003 Förderpreis für Bildende Kunst des Landes NRW

 

Aussstellungen (Auswahl)

  • 2006 „gut garkau dazzle“ (mit Christine Erhard), ortart, Nürnberg
  • 2004 Reichsabtei Kornelimünster (mit Tatjana Doll)
  • 2003 Museum Schloß Hardenberg, Velbert (Katalog)
  • 2002 Kunstverein Aichach
  • 2001 „loop“, Galerie Stefan Rasche, Münster
    Kunstraum Düsseldorf (mit Aurelia Mihai)
  • 2000 „pop up“, Kunstverein Grafschaft Bentheim, Neuenhaus (Katalog)
  • 1999 „Panorama“, Kunstverein Gelsenkirchen
    Galerie Thomas Taubert, Düsseldorf
  • 1998  „Düsseldorf Artists‘ Archive“, High Street Project Gallery, Christchurch, Neuseeland; mit Christine Erhard, Lucy Harvey, Joanne Moar
    Schnitt-Ausstellungsraum, Köln; mit Hlynur Hallson
  • 1997 „andernorts - Eine TonBildschau“, Stück für Opernchor, Diaprojektoren und Mobiltelefone im Stadttheater Gießen; mit Michael Wolters und Marcus Droß, (Buch)
  • 1996 „Ein anderer Raum“, Kunstverein Eislingen, (Katalog)
  • 1994 Galerie Stefan Rasche, Münster

 

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2008 „1:x Raum//Modell“, Galerie Rasche Ripken, Berlin
  • 2007 „Nil“, estemp, Düsseldorf
    „maniera“, Galerie Stefan Rasche, Münster
    „Werk 07“, Bildhauersymposium Heidenheim (Katalog)
  • 2006 „façade“, Arti et Amicitiae, Amsterdam
    „form follows fiction“, estemp, Düsseldorf
  • 2005 „friends & lovers“, Laden, Düsseldorf
  • 2002 „Schwarzwaldhochstrasse“, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (Katalog)
  • 2001 „points of view“, Künstlerhaus Dortmund (Katalog)
    „junger westen“, Kunsthalle Recklinghausen (Katalog)
  • 2000 Kunststiftung Baden-Württemberg, Wanderausstellung der  Stipendiaten 1999
    Schloß Ringenberg, Ausstellung der Stipendiaten
  • 1999 „Testbild“, Galerie Stefan Rasche, Münster
  • 1998 Sommeratelier, Klasse Jetelová im Bahnhof Eller, Düsseldorf
    „Tokyo-Düsseldorf“, Kunstraum Düsseldorf
  • 1996 Klasse Jetelová in Tokyo, National University of Fine Arts and Music (Katalog)
    East International, Norwich Gallery, England (Katalog)
  • 1995 „Blick in die Ausstellung“, Buchprojekt von Christine Erhard