Gelb spielt keine Rolle
Berliner Künstlerin Gulia Giannola gewinnt den ersten völklinger kunstpreis 2013
Am 2 Februar 2013 wurde im Rahmen des Rundgangs der HBKsaar der erste völklinger kunstpreis in Form eines Jurypreises und zweier Publikumspreise vergeben. Die Jurypreisträgerin erhält eine Einzelausstellung in Kooperation mit dem Saarländischen Künstlerbund im Studio des Saarländischen Künstlerhauses in Saarbrücken. Die Publikumspreisträger dürfen eine Woche als Artist in Residence in der Handwerkergasse im Weltkulturerbe Völklinger Hütte arbeiten und wohnen.
Jurypreisträgerin:
Giulia Giannola
Universität der Künste Berlin
Tinker Tailor Soldier Sailor, Video, 4:56 min
Publikumspreisträger:
- Monika Ehret
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Dunkel Kirsch Grün, Fotoausdruck, Linoldruck - NANA & KAZUMA
Hochschule für Künste Bremen
165 Gelbs, Skulptur
Begründung der Jury des ersten völklinger kunstpreises „Gelb spielt keine Rolle“
Die Jurymitglieder haben einstimmig das Video „Tinker Tailor Soldier Sailor“ der Berliner Künstlerin Gulia Giannola als Gewinner des ersten völklinger kunstpreises ausgezeichnet.
Das Werk besticht durch seine formalästhetische Stringenz und starke inhaltliche Anspielungen. Die technischen Möglichkeiten des Mediums „Video“ sind sicher und präzise genutzt worden. Kinematographisch überzeugt der kurze Film durch eine klare und distanzierte Blickführung, die ohne Spezialeffekte auskommt und sich dennoch eine geheimnisvolle Dramatik bewahrt. Mit hintergründigem Humor inszeniert die Künstlerin in diesem Video drei Produktionszeilen in einer Fabrikhalle, in welcher junge Menschen in Arbeitskleidung konzentriert große Wassermelonen zerteilen, entkernen und schließlich entsorgen. Dabei sprechen sie im Chor fortwährend einen englischen Abzählreim, der dem Video auch den Titel gibt.
Besonders überzeugend fand die Jury den kontrastierenden Einsatz einer medienspezifischen Fortschrittsästhetik zur Präsentation einer regressiven Produktionspolitik, der von einem hohen Maß an Reflexion und kritischen Bewusstsein der Künstlerin zeugt. Die absurde Handlung der Schauspieler, Melonen zu zerteilen und das am Ende des aufwendigen Sortierprozesses stehende Produkt, die Melonenkerne – die von der ganzen Frucht das Unschmackhafteste sind und gewöhnlich sowieso ausgespuckt werden – ausnahmslos zu entsorgen, zeigt die weiterhin zunehmende Entfremdung der Arbeiter im Herstellungsablauf und die an einer hochkapitalistischen Ideologie orientierte Prozessoptimierung, deren Interesse nicht der Versorgung der Gesellschaft mit nachhaltigen Produkten gilt, sondern dem reinem Produktionsprozess, der somit zum Selbstzweck wird. Dieses dystopische Moment in einer utopischen Anlage – der Fabrik – wird durch die emotionslose Haltung der „Arbeiter“ und deren arbiträrem Selektionsspruch verstärkt. Es gibt keine Qualitätsmerkmale mehr, nur das Quantifizierbare zählt. In diesem Sinne formuliert das Video auch eine gelungene Anspielung auf den subtilen „Untertitel“ des Kunstpreises, „Gelb spielt keine Rolle“, bei dem die Bedeutung des „Geldes“ immer mitschwingt.
Gulia Giannola verbindet in ihrem mit dem ersten völklinger kunstpreis ausgezeichneten Video „Tinker Tailor Soldier Sailor“ eine deutlich formulierte Kritik an den konservativen Produktionsbedingungen einer globalen Verwertungsgemeinschaft mit einer zeitgemäßen ästhetischen und technisch souveränen künstlerischen Umsetzung. Dieser und weitere, nicht prämierte, aber unter den Jurymitgliedern leidenschaftlich diskutierte Beiträge zeigen das Potential des frisch initiierten Kunstpreises und lassen auf seine Fortsetzung hoffen.
Beim ersten völklinger kunstpreis sind zu dem Motto "Gelb spielt keine Rolle" insgesamt 91 Wettbewerbsbeiträge eingereicht worden.
Die beteiligten Studierenden stammen aus folgenden Hochschulen:
Kunsthochschule Berlin- Weißensee
Universität der Künste Berlin
Alanus Hochschule Bonn
Hochschule für Künste Bremen
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Technische Universität Dortmund
Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Kunsthochschule Kassel
Universität Koblenz- Landau Campus Landau
Kunsthochschule Mainz
Akademie der Bildenden Künste München
Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
École supérieure des arts décoratifs de Strasbourg
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Bauhaus- Uni Weimar
Die Mitglieder der Jury:
Lukas Baden, FGS-exhibitions, Karlsruhe
Francis Berrar, Saarländischer Künstlerbund
Sandra Elsner, Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken
Prof. Thaddäus Hüppi, Weißensee Kunsthochschule, Berlin
Alex Reding, Galerie Nosbaum-Reding, Luxemburg
Ausschreibung erster völklinger kunstpreis 2013






