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Jacob, Anna: Die ästhetische Dimension interdisziplinärer Bildung


Möller, Andreas (StD)Winzen, Matthias (Prof. Dr.)    Kunsterziehung    Staatsexamen  2012 SS  

 

Was verbindet Naturwissenschaften mit Bildender Kunst und wie lassen sich die Gemeinsamkeiten in Form eines Unterrichtskonzeptes für den schulischen Unterricht nutzen? Meine Examensarbeit beschäftigt sich mit der Suche nach Antworten auf diese Fragen.

 

Im Laufe meines Studiums der Mathematik und Bildenden Kunst wurde mir stets die gleiche Frage gestellt: „Wie kommt man auf die Idee, Mathematik und Kunst zu studieren“. Meist waren es Kommilitonen, die mir diese Frage stellten. Dies ist leicht nachvollziehbar, da schließlich die meisten meiner Kommilitonen Geisteswissenschaften, Sprachen oder auch Sport als Zweitfach studieren.

 

Diese Erfahrung hat mich mein ganzes Studium begleitet und nachdenklich gestimmt. Worin liegt diese Grundeinstellung begründet, dass es durchaus logisch erscheint, eine Geisteswissenschaft und Bildende Kunst zu studieren, aber nicht eine Naturwissenschaft? Diese Einstellung muss erlernt sein, wenn sie schließlich bei nahezu allen meiner Kommilitonen auftritt. Die gleiche Reaktion erfuhr ich zudem in meinen Praktika bei den Schülern und den Lehrern.

 

Die Ursache liegt offenbar in der gesellschaftlich geprägten Einstellung, dass Kunst eine Sonderstellung zugeteilt werden muss. Sie scheint zu subjektiv und individuell und damit nur schwer nachvollziehbar. Naturwissenschaften und Mathematik haben dagegen klar definierte Arbeits- und Denkweisen und sind in ihren Ergebnissen eindeutig und rein objektiv.  Daraus ist zu schließen, dass die beiden Bereiche in ihrer Art zu denken und zu agieren so grundverschieden sind, dass sie sich nicht vereinbaren lassen. Folglich ist es auch unwahrscheinlich, dass eine Person sich für beide Fachbereiche gleichzeitig begeistern kann. An dieser Einstellung stören mich zwei Aspekte. Zum einen ist diese Einschätzung nicht korrekt. Zum anderen schadet sie beiden Fächern. Es ist eine Fehleinschätzung, dass kognitive und wohl überlegte Planungsprozesse in der Bildenden Kunst nicht vorhanden sind. Kein Gestalter kann dies bezweifeln. Zum anderen  sind die Naturwissenschaft und die Mathematik angetrieben von Ideenreichtum und Kreativität, ohne die diese Fachbereiche, sowie jegliche Forschung nicht existieren würden. Eine klare Trennlinie zwischen diesen beiden Fachbereichen kann es also gar nicht geben. Für beide Fachrichtungen ist es schließlich unerlässlich, eine offene Einstellung und den steten Wunsch zum Blick über die scheinbaren Grenzen des Faches zu haben.

 

In meinem Studium konnte ich von meiner Fächerkombination profitieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Denkweisen, die ich in der Mathematik erlernt habe, mein Reflexionsverhalten bezüglich meiner eigenen, sowie fremden künstlerischen Arbeit gefördert haben. Umgekehrt habe ich in meinem Mathematikstudium ein Ästhetikverständnis kennen gelernt, das dem der Bildenden Kunst sehr ähnlich ist. Ein Beweis gilt dann als besonders „schön“, wenn die komplexen Überlegungen und Erkenntnisse in eine möglichst elegante Form gebracht werden. Gleichzeitig gibt es verschiedenste Möglichkeiten, dies zu erreichen. Die Bewertung der „Schönheit“ eines Beweises ist dabei meist recht subjektiv, im Gegensatz zu seiner Richtigkeit.

        

Warum also sollten diese Fachbereiche in der Schule einer strengen Trennung unterliegen?

 

Bild oben: Analyse zu chemischen Reaktionen

Bilder Mitte, unten: Rungebilder (Schülerarbeiten)





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