Frühstückst du noch oder kuratierst du schon?



SS 2021

Online-Veranstaltung

Tool: hangouts


Termine

Startdatum: 15.04.2021
Enddatum: 22.07.2021
Donnerstag: 16:00 - 18:00
wöchentlich
Erster Termin: Donnerstag, 15. April 2021


Lehrende*r

Leonore Leonardy

Verantwortliche*r Professor*in

Prof. Dr. Matthias Winzen



Maximale Anzahl Teilnehmer*innen

12


Anmeldeverfahren



Veranstaltungsart

Theorie Seminar – Vorlesung – 8 ECTS
Theorie Seminar – Vorlesung – 4 ECTS

ECTS

8 ECTS
4 ECTS


Leistungskontrolle

Referat/Hausarbeit/Klausur, Vorlage und Präsentation von Arbeitsergebnissen, Anwesenheitspflicht


Beschreibung

Mit dieser Frage betitelte die Kunstzeitschrift art magazin am 15. Februar 2013 ihren Nachruf auf einen zentralen Begriff der Kunstszene, der ihr nach Meinung des Fachmagazins abhandengekommen sei. Nicht nur die Überschrift, auch das Aufmacherbild machte die Stoßrichtung des Artikels zum Thema Kuratieren deutlich.

Das Berufsbild von Kurator:innen hat sich in den letzten Jahren massiv verändert und tritt nicht erst durch die Aktivitäten charismatischer Ausstellungsmacher*innen zunehmend in den Fokus öffentlicher Diskussionen. Auch das Tätigkeitsfeld wandelte sich: Beschäftigte man früher Kurator:innen vornehmlich in einem Museum mit der Aufarbeitung und Präsentation der Sammlung, so treten heute mit den „freien“ Kurator:innen Arbeitswillige wie Arbeitssuchende auf den Markt, um ein Feld zu besetzen, das Bewunderung wie Mitleid erzeugt. So schreibt der Tagesspiegel aus Berlin im Juli 2011: „Traumjob Kurator – Früher wollten junge Leute DJ werden. Der Trendjob heute: Kurator. Über eine zentrale Figur des Kulturbetriebs.“

Eine originelle Antwort auf die Frage nach dem Kurator weiß der Mexikaner Cuauhtémoc Medina, schillernde wie einflussreiche Persönlichkeit, Kunsthistoriker, Kritiker und Kurator: „Der Kurator ist eine Art Frankenstein‘sches Monster, ein zusammengeflicktes Konglomerat verschiedener Berufe, für die er in den meisten Fällen keinerlei professionelle Ausbildung besitzt: Kunstkritiker, Fundraiser, Kenner, Künstler, Händler, Kulturpolitiker, Museumsgestalter, Archivar, Impresario, Historiker, Aktivist, Theoretiker, Fan, Sekretär und Sparringspartner. Insofern ist der Kurator in seiner heutigen vielgestaltigen Ausprägung ein typisches Produkt der Postmoderne, eine multiple Persönlichkeit ohne stabile Identität, beispielhaft für die „Entprofessionalisierung“, für das Gegenteil des akademisch Erlernbaren.“

Wenn Sie nun trotz dieser Unkenrufe an Ihrem Berufswunsch Kuratorin/Kurator festhalten wollen, dann bietet das Seminar eine Plattform für eine Auseinandersetzung mit diesem Beruf. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse dieses oben beschriebenen Monsters, auf der Reflexion des Selbstbildes wie des Fremdbildes von Kurator:innen, auf kuratorische Ansätze analog zur künstlerischen Praxis und der Beschreibung der Ressource Aufmerksamkeit, unabdingbares Rüstzeug für die Behauptung im Kunstbetrieb. Und sie geht der Frage nach: Was kann ich lernen, wenn ich den Traumjob Kurator:in ausüben möchte?