Ulrike Rosenbach: Feministische Avantgarde und Pionierin der Videokunst


Film und Vortrag
SS 2025

Veranstaltungsart

Sonstiges ohne CP – Prüfungsrelevanz Vortrag

ECTS



Leistungskontrolle

keine


Beschreibung

Ulrike Rosenbach gilt als eine der einflussreichsten Vertreterinnen der feministischen Avantgarde und als Pionierin der Videokunst. Ihre Karriere begann in den 1970er Jahren, einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der die feministische Bewegung sich ihren Platz in der Kunstwelt erkämpfte. Rosenbach war mittendrin – an der Front dieser Veränderung. Ihre Arbeiten, kraftvoll und eindrucksvoll, waren zu dieser Zeit völlig neu und einzigartig.

1989 wurde sie auf die Professur an der Hochschule der Bildenden Künste Saar berufen, wo sie von 1990 bis 1993 auch als Rektorin tätig war. In dieser Zeit führte sie den Fachbereich „Neue Medien“ ein und etablierte eine avantgardistische Position an der Hochschule. Unter ihrer Leitung wurde die HBKsaar zur ersten Kunsthochschule in Deutschland, an der Neue Medienkunst unterrichtet wurde.

„10.000 Jahre habe ich geschlafen und nun bin ich erwacht“, schreibt Ulrike Rosenbach am Ende ihrer Performance „Zehntausend Jahre habe ich geschlafen“ (1977). In dieser Performance legt sie sich in einen Kreis aus Salz, in dessen Mitte sie auf Moos lag. Ihre Arbeit setzt sich mit der passiven Rolle der Frau auseinander, die ihr kulturell, gesellschaftlich und kunsthistorisch zugeschrieben wird. In der Kunstgeschichte war die Frau stets das Bild – das Objekt des männlichen Blicks und der männlichen Begierde. Rosenbach hinterfragt diese Zuschreibungen und stellt sich der Herausforderung, die Frau als künstlerisches Subjekt zu definieren und nach einer neuen Identität zu suchen. Sie stellt die Frage: Was haben Frauen gemeinsam, über die sie sich als solche definieren können und mit denen sie sich identifizieren können? 

Viele erfolgreiche Künstlerinnen beriefen sich damals auf den weiblichen Körper als gemeinsamen Nenner und setzten diesen in ihren Arbeiten ein. Eine Art Existenzialisierung des weiblichen Körpers und Fokussierung auf ihn und zugleich auch eine negative Beziehung der Frau zu sich, ihrem Körper als Bild der symbolischen, männlich dominierten Ordnung fanden statt, bei der die Frau ausschließlich als Bild/Objekt vorkommt. So versteht sich, warum solch viele Künstlerinnen damals mit ihrem weiblichen, nackten Körper gearbeitet haben, und auch warum solch eine Aggression gegen den eigenen Körper angerichtet und angetan wurde. 

Rosenbach ging mit dem Thema anders um und machte keine Performance, in der sie ihren nackten Körper darstellte oder gar misshandelte. Sie zog sich einen weißen Anzug an, um ihren weiblichen Körper zu verdecken. Somit entgeht Rosenbach der Reduktion der Frauenidentifikation auf die weiblichen Merkmale des physischen Körpers. Wie verhält sich dann Rosenbach zu ihrem Selbst, sich als Frau? Definiert sie sich als “weiblich”, welches gesellschaftlich über Körper definiert wurde, oder verhält sie sich doch neutral, androgyn oder gar archaisch?

Hierbei finden wir besonders bemerkenswert, dass es bei Rosenbachs Performances, anders als bei denen von Valie Export, Marina Abramovic,etc, nie um die Nacktheit oder die Darstellung des nackten Körpers ging und Rosenbach ihn ganz im Gegenteil durch den weissen Anzug verdeckt hat. Auf jeden Fall öffnete Rosenbach mit dieser Neutralisierung ihres Körpers eine neue Fragestellung und bot damit zur damaligen Zeit einen komplett neuen Ansatz zur Frauenidentifikation. Genau dies unterscheidet Rosenbach von den anderen Künstlerinnen und macht sie im Zuge des zeitgenössischen Genderdiskurses - bei dem die kategorische Unterscheidung von männlich und weiblich aufgehoben wird - progressiver und aktueller denn je.

Im Jahr 2021 wurde die AG Rosenbach gegründet, um einen Dokumentarfilm über diese legendäre Künstlerin und ehemalige Rektorin der HBKsaar zu produzieren. Die AG Rosenbach präsentiert ihren Film „Die Eulenspieglerin: Ulrike Rosenbach“ in Anwesenheit von Prof. Rosenbach und diskutiert mit ihr über das Frausein, die Rollen von Frauen und über ihre Kunst.

Das genaue Datum und der Ort der Präsentation werden zu Beginn des Sommersemesters bekannt gegeben.


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