Dokumentarfilmwerkstatt: Radikal Nah - Die Kunst der teilnehmenden Störung


Strategien des autobiografischen und partizipativen Dokumentarfilms
SS 2026

Termine

Startdatum: 13.04.2026
Enddatum: 13.07.2026
Montag: 14:00 - 18:00
wöchentlich


Veranstaltungsort

Atelier Prof. Cho
Mainzerstrasse 52, im Hinterhof ganz hinten rechts, 2. Etage
66111 Saarbrücken


Maximale Anzahl Teilnehmer*innen

10


Anmeldeverfahren

Anmeldeinformationen sind ab 09.03.2026 09:00 einsehbar.


Veranstaltungsart

Atelierprojekt Atelierprojekt kurz Fachpraxis Fachpraxis kurz

ECTS

2 ECTS
4 ECTS
8 ECTS
16 ECTS


Leistungskontrolle

Anwesenheitspflicht, Vorlage und Präsentation von Arbeitsergebnissen


Beschreibung

Wie lässt sich ein Film realisieren, wenn die Regie selbst zum integralen Teil der Erzählung wird? Wenn die Kamera nicht mehr distanzierter Zeuge ist, sondern in unvorhersehbare, private oder hochemotionale Prozesse verstrickt wird?

In diesem praktisch orientierten Atelierprojekt untersuchen wir die „Radikale Nähe“ als ästhetisches Prinzip. Wir verabschieden uns vom klassischen Fly-on-the-wall-Konzept zugunsten der „Fly-in-the-soup“: Die Anwesenheit der Kamera wird nicht länger als störendes Element kaschiert, sondern gezielt als Katalysator für Wahrheit, Reibung und Intimität eingesetzt. Wir begreifen die filmische Intervention als Motor, der Verborgenes sichtbar macht.

Kernfragen des Seminars

  • Die Grenze der Scham: Wie viel Nähe verkraftet das Bild, bevor die Kamera von einem Instrument der Erkenntnis zu einer Waffe wird?

  • Das Ich als Material: Wie lassen sich eigene Geschichten inszenieren, ohne in die Falle des bloßen Narzissmus zu tappen?

  • Die produktive Störung: Wie verändert die bloße Präsenz der Kamera die Realität – und wie navigieren wir diese bewusste Manipulation gestalterisch?

  • Ethik des Nahbereichs: Welche Verantwortung tragen wir gegenüber Protagonist:innen, die uns am nächsten stehen (Familie, Partner:innen, enge Freund:innen)?

Methodik & Laborcharakter

Das Seminar versteht sich als experimentelles Labor. Parallel zur Analyse wegweisender Filme und der Positionen liegt der Schwerpunkt auf der unmittelbaren Praxis:

  1. Etüden der Annäherung: Mikropraktische Übungen zur teilnehmenden Beobachtung im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Raum und privater Intimität.

  2. Das Archiv-Gespräch: Experimentelle Interview-Settings, die durch gezielte Intervention (Frage, Provokation, langes Schweigen) familiäre oder biografische Sedimente freilegen.

  3. Realisation: Entwicklung und Umsetzung eines dokumentarischen Fragments, das durch autobiografische Tiefe oder radikale Partizipation besticht.

Zielsetzung 

Ziel ist die Entwicklung einer eigenständigen filmischen Handschrift im Umgang mit dem Nahbereich. Die Studierenden lernen, die Kamera nicht als Barriere, sondern als Sonde zu begreifen, die dort ansetzt, wo es unbequem wird, wo es funkelt oder wo der Schmerz der Erkenntnis liegt.

Teilnahmevoraussetzung

Geräteführerscheine Audio & Video: Sollten die entsprechenden Nachweise noch nicht vorliegen, müssen diese zwingend im Laufe des Sommersemesters erworben werden.

„Die Kamera ist kein Fenster, durch das wir das Leben beobachten. Sondern sie ist eine Tür, durch die wir mitten in das Leben anderer – oder das eigene – hineinstürzen.“ 

 


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