Vortragsreihe im Rahmen der Ausstellung

FOKUS MALEREI | Gabriele Langendorf und Positionen aus 20 Jahren Lehre (2006–2026)


Begleitend zu der Ausstellung Fokus Malerei, die von November 2026 bis Februar 2027 in der Städtischen Galerie Neunkirchen und dem Museum St. Wendel zu sehen ist, beleuchtet eine Vortragsreihe die aktuelle gegenständliche Malerei aus wissenschaftlicher Perspektive.

In fünf Vorträgen werden aktuelle Tendenzen und Herausforderungen ebenso thematisiert wie historische Entwicklungen und Zusammenhänge.

  • Ort
    Aula der Hochschule der Bildenden Künste Saar
    Keplerstraße 3-5
    66117 Saarbrücken
  • Uhrzeit
    Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr
    Einlass ab 18 Uhr
  • Anmeldung
    Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig

TERMINE

  • 30.11.2026
    Bilder für alle? Figurative Malerei und Populärkultur
    Prof. Dr. Henry Keazor (Universität Heidelberg)
  • 07.12.2026
    Zu Stellenwert und Inhalt der figurativen Malerei im Kontext der Saarbrücker Kunstschulen (1924-2024)
    Nadine Schwuchow M.A. (Hochschule der Bildenden Künste Saar)
  • 14.12.2026
    Surreale Malerei in der Gegenwart
    Dr. Larissa Kikol (Freie Kunstkritikerin und Autorin)
  • 11.01.2027
    Warum die Kunstgeschichte der Frauen immer besser wird
    Prof. Dr. Julia Voss (Leuphana Universität Lüneburg)
  • 18.01.2027
    Der Algorithmus als Kurator? Wie sich Malerei durch die Sozialen Medien verändert
    Dr. Wolfgang Ullrich (Freier Kunstwissenschaftler und Autor)

PROGRAMM


30.11.2026

Prof. Dr. Henry Keazor
Bilder für alle? Figurative Malerei und Populärkultur

Spontan wird abstrakte Malerei oftmals mit Unzugänglichkeit und erschwertem Verständnis assoziiert, während figurative Kunst auf den ersten Blick unmittelbar erschließbar scheint. Dies scheint umso mehr gegeben, wenn sie sich zudem auch noch bei Motiven der Populärkultur bedient. Im Vortrag wird erörtert, ob diese Annahmen zutreffen und wie von Künstlern wie William Hogarth an bis zu Gerhard Richter immer wieder verschiedene Rekurse auf die Populärkultur genommen wurden.

Zur Person
Prof. Dr. Henry Keazor ist Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg. Von 2008 bis 2012 hatte er den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes inne. Seit 2012 lehrt und forscht er an der Universität Heidelberg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die französische und italienische Barockmalerei, zeitgenössische Architektur, Kunstfälschung sowie das Verhältnis von Kunst und Medien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Wechselwirkungen zwischen bildender Kunst und populärkulturellen Medien, insbesondere Film und Musikvideo.

 

07.12.2026

Nadine Schwuchow M.A.
Zu Stellenwert und Inhalt der figurativen Malerei im Kontext der Saarbrücker Kunstschulen (1924-2024)

Welche Entwicklungslinien lassen sich in der figurativen Malerei des Saarlandes zwischen Industrialisierung und Gegenwart erkennen? Und welche Rolle spielten die Saarbrücker Kunstschulen bei ihrer Herausbildung?
Der Vortrag zeichnet die Geschichte der figurativen Malerei im Saarland vom 19. Jahrhundert bis zur Hochschule der Bildenden Künste Saar nach und versteht die Saarbrücker Kunstschulen als ihren zentralen Motor. Anhand ausgewählter Werkbeispiele werden die unterschiedlichen Entwicklungsphasen – von der Moderne der 1920er Jahre über die Zäsur des Nationalsozialismus und den kulturpolitischen Neubeginn nach 1945 bis in die Gegenwart – nachgezeichnet. Dabei werden wiederkehrende Bildthemen und narrative Strategien ebenso in den Blick genommen wie die Einflüsse von Bauhaus, Paris und der französischen Nachkriegsmoderne. Der Vortrag zeigt, wie sich die figurative Malerei im Spannungsfeld von regionaler Identität und internationalen Kunstströmungen entwickelte und weshalb die Saarbrücker Kunstschule zum entscheidenden Katalysator dieser Entwicklung wurde.

Zur Person
Nadine Schwuchow (*1986) studierte Europäische Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Heidelberg und schloss ihr Studium 2021 ab. Nach einem Volontariat in der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz war sie bis September 2026 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule der Bildenden Künste Saar im Forschungsprojekt von Prof. Gabriele Langendorf. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der französischen Kunst seit dem Ancien Régime, sowie auf den deutsch-französischen Kultur- und Kunstbeziehungen. Seit September 2026 leitet sie die Galerie der HBKsaar.

 

14.12.2026

Dr. Larissa Kikol
Surreale Malerei in der Gegenwart

In der zeitgenössischen Malerei ist keine andere, als die surreale Bildsprache, so omnipräsent. Dabei ist sie so vielfältig, dass sie sich keinesfalls als einheitliche Tendenz oder als zusammengehöriges Phänomen ausmachen lässt. Und doch durchtränkt sie die figürliche Bildsprache der Malerei auf der ganzen Welt. Sie bindet politische Ereignisse ein, Empowerment, Natur, Träume und Kindheit, Spiritualität, Comics, Pop- und Subkultur. Sie erzählt von Feminismus, von Utopien und Dystopien, sie reizt Ältere und Jüngere, sowie hyperrealistische Maler, aber auch verspielte Träumer. Und wenn man noch von einer 'westdeutschen' und einer 'ostdeutschen' bzw. 'Leipziger' Malerei sprechen darf, dann ist das Surrealistische das größte Bindeglied zwischen ihnen.

Zur Person
Larissa Kikol (1986*) arbeitet als freie Kunstkritikerin, Autorin und Kuratorin. Sie gibt regelmäßig Themenbände für Kunstforum International heraus, ist Kolumnisten bei Monopol Online und Robb Report, und veröffentlichte in zahlreichen Magazinen und Zeitungen wie Die Zeit, art das Kunstmagazin, Courrier International oder die Kunstzeitung. 2025 erschien ihr Buch „Neue abstrakte Malerei“, 2023 das Buch „Signed“ (beide DCV Verlag). Sie unterrichtet an internationalen Hochschulen und Universitäten. 2016 gewann sie den internationalen Wettbewerb Talents des C/O Amerikahauses Berlin im Bereich Kunstkritik. Kikol studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und promovierte in Kunstwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

 

11.01.2027

Prof. Dr. Julia Voss
Warum die Kunstgeschichte der Frauen immer besser wird

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde eine Kehrtwende vollzogen. Das Werk von Künstlerinnen, die in Vergessenheit geraten waren, wurde in großen Museumsausstellungen gezeigt und an wissenschaftlichen Einrichtungen erforscht. Das Wissen über Künstlerinnen hat sich damit vervielfacht. Zugleich wurden neue Werke in Archiven und Depots aufgespürt, quer durch die Geschichte, vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, von Florenz bis Stockholm. Zu den großen Wiederentdeckungen der Moderne zählt die schwedische Malerin und Pionierin der Abstraktion Hilma af Klint (1862-1944). Ihre Gemälde wurden in Ausstellungen von New York über Berlin und Düsseldorf bis nach Paris gefeiert und führten zu Publikumsrekorden. Was sind die Gründe für das öffentliche wie wissenschaftliche Interesse für die Kunst von Frauen? Wie verändert sich die Kunstgeschichte durch solche Wiederentdeckungen? In ihrem Vortrag spricht Julia Voss über die Hintergründe und Inhalte dieser kunsthistorischen Neuausrichtung.

Zur Person
Prof. Dr. Julia Voss lehrt Kunstgeschichte an der Leuphana Universität und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Präsidium des Deutschen Historischen Museums. Von 2007 bis 2017 leitete sie das Kunstressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 2020 publizierte sie die Biographie „Hilma af Klint. Die Menschheit in Erstaunen versetzen“, die für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert war und zum internationalen Beststeller aufstieg. Zusammen mit Daniel Birnbaum kuratierte sie 2024 die Ausstellung „Hilma af Klint und Wassily Kandinsky. Träume von der Zukunft“ in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Derzeit arbeitet sie mit Christopher Clark an der Ausstellung „Porträts der deutschen Geschichte“, die im April 2028 im DHM eröffnen wird.

 

18.01.2027

Dr. Wolfgang Ullrich
Der Algorithmus als Kurator? Wie sich Malerei durch die Sozialen Medien verändert

Plattformen der Sozialen Medien – insbesondere Instagram – sind zu einem wichtigen Ort für Kunst geworden. Hier präsentieren Künstler:innen und Kunstinstitutionen Werke und Programme, erreichen aber nicht nur eine Öffentlichkeit, die oft über das herkömmliche Kunstpublikum hinausgeht, sondern machen auch die Erfahrung, dass sich verschiedene Kunstgattungen unterschiedlich gut vermitteln lassen. Während es etwa für Fotografie oder Konzeptkunst schwer ist, unter den Bedingungen einer Plattform zur Geltung zu kommen, finden viele Formen von Malerei starke Resonanz. Dies reicht so weit, dass man bereits davon sprechen kann, die Malerei erlebe eine neue Konjunktur, sei so populär und präsent wie schon lange nicht mehr. Der Vortrag widmet sich diesem von den Sozialen Medien ausgehenden neuen Boom der Malerei – und fragt, warum gerade sie oft besonders ‚instagramable’ ist. Was für Eigenschaften von Malerei passen besonders gut zur algorithmischen Logik einer Plattform? Und passen diese Eigenschaften auch zu den Erwartungen, die innerhalb der Kunstwelt von Malerei erwartet werden? Muss man sich gar entscheiden, wo man Erfolg mit Bildern haben will? Oder werden die Maßstäbe der Kunstwelt zunehmend von den Sozialen Medien und letztlich von deren Algorithmen bestimmt?

Zur Person
Wolfgang Ullrich (*1967) lebt seit 2015 als Kunstwissenschaftler und freier Autor in Leipzig, lehrte davor als Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er publiziert zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zu bildsoziologischen und bildpolitischen Themen sowie zu Konsumtheorie. Seit 2019 ist er Mitherausgeber der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ im Verlag Klaus Wagenbach. Mehr unter www.ideenfreiheit.de.