Davay kushat'!


WS 2025/26

Studierende

Annika Kundi


Projektbetreuung

Prof. Indra Kupferschmid


Studiengänge

Kommunikationsdesign


Projekt Art

Bachelor

Annika Kundi: Buchcover, 2026

Vor über 30 Jahren wanderte meine Familie als Russlanddeutsche, mit dem Wunsch nach einem besseren Leben, von Kasachstan nach Deutschland aus. Ich wurde hier geboren und wuchs dennoch zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Welten auf. Zuhause, verborgen hinter vier Wänden, prägte die slawische Kultur meinen Alltag. Außerhalb davon musste ich mich in die deutsche Kultur integrieren. Der Gedanke, bloß nicht aufzufallen mit meinen fremd klingenden Wörtern, Traditionen und meinem Aussehen, war ein ständiger Begleiter meines Aufwachsens. Wenn jedoch meine Mutter DAVAY KUSHAT! aus der Küche rief, verflog diese Angst. Ich wusste, der Tisch ist gedeckt und etwas Warmes wartet auf mich, Zuhause wartet auf mich. Der Esstisch war ein zentraler Ort, an dem die Familie zusammenkam. Ein Ort der Fürsorge, der Nähe und Geborgenheit, erfüllt von vertrauten Gerüchen und unvergleichlichen Geschmäckern. Doch dieser Schein meiner Kindheit hielt nicht ewig an. Schattenseiten wie patriarchale Wertevorstellungen und generationelles Trauma brachten viel Schmerz in meine Familie. Lange Zeit machte ich dafür auch die slawische Kultur verantwortlich. Ich wandte mich von ihr ab und wollte mir ihr Wissen nicht aneignen, auch nicht die Rezepte meiner Mutter. Doch Essen ist nicht neutral, es ist ein Zeichen von Erinnerung und Verbundenheit. Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit wurde mir klar, dass ich diese Bindung bewahren muss. Dieses Buch soll der Beginn davon sein. Für meine Mutter, aus deren Händen so viel Wärme kommt.