Medientheorie: Automatische Gesellschaft (Teil 3: Worldmaking)
WS 2026/27
Online-Veranstaltung
Tool: sonstiges
Termine
Startdatum: 21.10.2026
Enddatum: 03.02.2027
Mittwoch: 09:00 - 11:00
Lehrveranstaltung
geeignet für
Studiengänge
Master Experimental Media
Master Freie Kunst
Master Kommunikationsdesign
Master Kulturmanagement–Kooperationsstudiengang mit htw saar und HfM Saar
Master Kuratieren und Ausstellungswesen
Master Media Art & Design
Master Museumspädagogik
Master Produktdesign
Master Public Art/Public Design
Medieninformatik–Kooperationsstudiengang mit der UdS
Veranstaltungsort
Online – im digitalen Raum
Maximale Anzahl Teilnehmer*innen
keine Teilnahmebeschränkung
Veranstaltungsart
Fachpraxis
Theorie (Medientheorie) - 4 ECTS
Theorie Seminar – Vorlesung – 8 ECTS
ECTS
4 ECTS
8 ECTS
Leistungskontrolle
Referat/Hausarbeit/Klausur
Beschreibung
Automatische Gesellschaft: Worldmaking
Der Philosoph Nelson Goodman hat vorgeschlagen, dass wir Welten machen — im Plural, und zwar immer aus Welten, die wir schon vorfinden. Inzwischen bauen Maschinen Welten: Systeme der räumlichen Intelligenz erzeugen aus wenigen Vorgaben begehbare, physikalisch plausible Räume. Damit wird Goodmans Frage technisch. Welche Welt entsteht da, nach welchen Regeln, und für wen?
Die Forschung legt ihren Maßstab selbst fest: Was ein Weltmodell behält, ist eine knappe Darstellung von Bewegungsabläufen, gefasst in Geometrie, Physik und Dynamik. Die Informatikerin Fei-Fei Li, die mit der Bilddatenbank ImageNet die Grundlage der heutigen maschinellen Bildverarbeitung geschaffen hat, spricht von der einen dreidimensionalen Welt — obwohl ihre eigene frühe Arbeit auf einer gemachten und bestreitbaren Ordnung von Kategorien beruht. Vereinfachung ist nicht das Problem, sie macht Bauen erst möglich. Das Problem beginnt dort, wo sie für die Welt selbst genommen wird.
Wir prüfen das an Beispielen. An welchen Landschaften sind solche Modelle geschult, und was geschieht, wenn man sie auf Gegenden anwendet, für die sie nicht gedacht waren? Welche Annahme über Zeit steckt in einem Raummodell, wenn anderswo regelmäßig eine Brücke wegbricht und neue Wege entstehen müssen? Und was heißt Raum als Erfahrung statt als Koordinatensystem?
Dagegen stellen wir Formen der Aufzeichnung, die festhalten, wie etwas bedeutsam wird. Die Architektin Momoyo Kaijima, Mitbegründerin des Tokioter Büros Atelier Bow-Wow und Professorin an der ETH Zürich, nennt ihr Verfahren Architekturethnografie: Die Zeichnung hält nicht den Entwurf fest, sondern den Gebrauch — wie Menschen Gebäude bewohnen und benutzen, Feldforschung mit zeichnerischen Mitteln. Aus der Digitalisierung des kulturellen Erbes kommt dazu der Begriff der Paradaten, also die Dokumentation der Entscheidungen und Begründungen hinter einer Darstellung. Der Informationswissenschaftler Isto Huvila unterscheidet drei Zeitpunkte ihrer Entstehung — im Rückblick, im Vollzug, im Vorgriff — und öffnet damit die Frage nach mehreren Archivzeiten nebeneinander.
Zuletzt die Gegenprobe. Wo Systeme selbst nach Wegen suchen, wird nicht mehr der Lösungsweg beschrieben, sondern werden Grenzen gesetzt; Nachvollziehbarkeit ist dann keine Eigenschaft der Technik, sondern eine Leistung derer, die die Aufzeichnung führen. Die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom hat gezeigt, dass es keine unverwalteten Gemeingüter gibt — aber keine Vorlage für die Einrichtungen, die sie tragen. Wer pflegt ein Archiv, das auskunftsfähig bleiben soll, wer darf es ändern, und wie lange hält das?
5 Kursthemen: Goodman und die Vielheit der Welten / Weltmodelle und räumliche Intelligenz (World Models, Spatial Intelligence) / Raum als Erfahrung / Paradaten, Bedeutsamwerden und mehrfache Archivzeiten / Auskunftsfähige Archive: Nachvollziehbarkeit als institutionelle Leistung
Scheinoptionen: 4 ECTS (Klausur), 8 ECTS (Hausarbeit im Umfang von mind. 30.000 Zeichen).
Prüfungsform:
Fachpraxis oder Klausur.
Hausarbeit (8 ECTS) in Verbindung mit dem Komplementärseminar „Project X“.